Farben | Formen
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Malerei und Skulptur – Heike Endemann und Gabriele Vallentin
Heute Abend darf ich Ihnen zwei Künstlerinnen der GEDOK Freiburg vorstellen, die in der Region und darüber hinaus einen Namen haben: die Bildhauerin Heike Endemann aus Radolfzell und die Malerin Gabriele Vallentin aus Freiburg.
Gabriele Vallentin ist seit 1982 freie Malerin mit Atelier in Freiburg. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen machten ihr Werk bekannt, unter anderem im Kulturhaus Baden-Baden, im Morat-Institut und auf der art Karlsruhe, vertreten durch die Freiburger Galerie Meier.
Heike Endemann absolvierte mehrere Kurse am sculpture center New York und ist seit 1998 freischaffende Bildhauerin. Auch sie ist regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, nimmt an Symposien teil und ist als artist in residence international unterwegs.
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Farben.Formen – so der Titel der Ausstellung - einfach und gleichzeitig komplex, doppeldeutig und genial zutreffend. Farben bilden Formen, Formen tragen Farben, beide Begriffe beinhalten die Grundlagen der Bildenden Kunst und der Bildhauerei, die sich hier in dieser Ausstellung begegnen und bestärken.
Gabriele Vallentin liebt die Farben, die emotionale Ausdruckskraft der Farben ist ihr Thema. In Etude 8 aus dem Jahr 2022 widmet sie sich ganz den Tonalitäten der Farbe Rot und ihrem Umfeld. Farbfelder aus einer Skala von Orange über Rot und Violett in verschiedenen Breiten gehen sanft verschliffen ineinander über und füllen das Format gänzlich aus.
Die Farben sind sich selbst genug, verzichten auf einen gegenständlichen Bezug. Doch Ausgangspunkt für ihre Bilder sind oft Erinnerungen, Sinneseindrücke aus Ländern, die sie gerne bereist, exotische Ziele genauso wie den Mittelmeerraum.
Auf ihren Reisen führt Gabriele Vallentin immer einen Aquarellblock mit sich, in dem sie Eindrücke, Ausblicke festhält. Aus diesem visuellen Erfahrungsschatz schöpft sie zuhause, setzt die Aquarelle in Miniaturen um, kleinformatige Ölbilder, in welchen sie die Farben an Ornamente, Architekturteile oder vegetative Formen bindet.
Im gleichen Format extrahiert sie einzelne Farben, daraus entstehen Tafeln, die nur einer Farbe und ihrer Wirkung Raum geben, ganz zart am Rand blitzt ein Gegenspieler in Form eines schmalen Farbstreifens hervor.
Himmel Meer Erde lautet der lakonische Titel des Werkes von 2026. Horizontale Farbstreifen legen sich nach der natürlichen Ordnung der Landschaft übereinander und sind auch so benannt. Angeschnittene Kreisformen bestärken den Eindruck, ebenso wie stellenweise sich verdunkelndes Blau, das den Horizont andeuten könnte. Gabriele Vallentin verwandelt ihre Landschaftseindrücke in ineinander übergehende Farbzonen, oder, besser gesagt, Farbräume. Sie entstehen durch den Eindruck von Unschärfe, dadurch, dass die Grenzen nicht genau definiert werden können, entfalten sie ihre transzendente Wirkung.
Waren ihre früheren Arbeiten zumeist an der Ordnung der Horizontalen und Vertikalen orientiert – Sie können sie sich in den ausliegenden Katalogen ansehen -, so fällt auf, dass Gabriele Vallentin in den letzten Jahren immer mehr aus dieser Ordnung ausbricht. In Himmelsleiter sind nur fließende, gerundete Formen zu finden. Dicht an dicht füllen die Farbpolster die Leinwand aus, schieben sich von den Rändern zur Mitte, wo sie tropfenförmig aufsteigen.
Eine Serie von 2025 nennt Gabriele Vallentin ironisch Quadratur des Kreises. Hier wird sichtbar, wie diese Ordnung durch runde Formen durchbrochen und ergänzt wird. Das Kompositionsschema orientiert sich an den Senkrechten und Waagrechten, doch organische Rundungen schließen die rechteckigen Farbfelder ab.
Auf der transparent grundierten Leinwand trägt Gabriele Vallentin in vielen lasierenden Schichten mit stark verdünnter Ölfarbe die Farben auf. Sie verbinden sich mit der Struktur der Leinwand, die an einigen Stellen sichtbar bleibt und zum Gleichgewicht und zur Gesamtstimmung der Komposition beiträgt. Ein hartes Weiß als Untergrund oder auch nur als Untermalung würde die Stofflichkeit der Farben beeinträchtigen. Das gleiche gilt für eine zu starke direkte Beleuchtung. Bei indirekter Beleuchtung und aus der Nähe betrachtet entfalten die Farben ihre magische Anziehungskraft.
Warm und sanft formen die Farben das Bild. Wie auf allen Werken Gabriele Vallentins fallen auch hier die weichen Übergänge auf. Nie sind die Farbfelder scharf abgegrenzt. Nie gibt es scharfe Kanten oder Ecken. Wie weiche Farbkissen laden sie unsere Augen ein, sich darauf niederzulassen.
Das erste Bild wird von dem Komplementärkontrast Grün und Rot bestimmt. Mitspieler in der Komposition sind Rosa-, Orange- und Gelbtöne. Korrespondierende Farbfelder verspannen die Komposition in der Diagonalen.
An den Übergängen begegnen sich die Farben, über das helle Mintgrün schieben sich feine dunkelgrüne Spuren, kaum definierbar ist die Grenze zwischen Mintgrün und Moosgrün, im hellen Rosa der Kreisform bleiben zarteste Pinselspuren der dunklen Rottöne stehen.
Dunkle und helle, reine und gebrochene Töne derselben Farbe fügen sich zu differenzierten Farbklängen: einem mit weiß gemischtem Gelb entspricht ein warmes, maisiges Gelb, einem tiefen Rot ein aufgehelltes Rot.
Die Farben finden immer einen Gegenspieler oder Mitspieler, sie vereinigen sich zu einem lebendigen, pulsierenden Seh-Erlebnis. Das spannungsvolle Miteinander der Farben, ihre Wirkung im Gefüge der Komposition ist die Grundlage ihrer Malerei. Der Vergleich zur Musik liegt nahe: „Die Farben eines Bildes sind für mich wie die Töne einer Komposition, sie sind alle aufeinander bezogen“, sagte Gabriele Vallentin selbst.
Immer sind es ungewöhnliche, sensibel ausbalancierte Zusammenstellungen. Aus fein abgewogenen Tönen schafft Gabriele Vallentin Farbräume, die eine magische Wirkung entfalten. Sie schenkt uns damit ein Farberleben, eine Seherfahrung, die uns nicht nur ästhetisch, sondern auch emotional anspricht.